Gütesiegel und Kennzeichen von Verlegewerkstoffen

Zunehmend werden für Verlegewerkstoffe Kennzeichnungen, Zertifikate und Zulassungen diskutiert und auch durch entsprechende Gebindeaufdrucke von den Herstellern kenntlich gemacht. Hinterfragt man die Bedeutung oder Herkunft dieser Zeichen, so eröffnet sich eine Verständnisbreite, die von fundierter Kenntnis bis zu völliger Ahnungslosigkeit beim betroffenen Personenkreis reicht.

 

Ziel dieses Beitrages ist es, Gütesiegel und deren Bedeutung für die Produkte, deren Verlegung und den Nutzer des Bodens transparent zu machen. Dazu wird nachfolgend eine Auswahl unterschiedlicher Gütesiegel dargestellt, kurz charakterisiert und zusammenfassend bewertet.

1. Giscode

Der GISCODE fasst Produkte einer bestimmten Werkstoffgruppe, die eine ähnliche Gesundheitsgefährdung für den Verarbeiter aufweisen, zusammen. Dies ermöglicht eine einfache und schnelle Auswahl der für das jeweilige Produkt notwendigen Schutzmaßnahmen. Der GISCODE wird gemeinsam von der BG Bau, sowie den betroffenen Industrie- und Handwerksverbänden getragen. Trotz insgesamt geringem Kennzeichnungsaufwand erhält der Anwender ein hohes Maß an Sicherheit.

 

Die Kennzeichnung erfolgt auf den Sicherheitsdatenblättern sowie den Produktgebinden und -datenblättern eigenverantwortlich durch den Hersteller.

2. Emicode

Der EMICODE beschreibt das Emissionsverhalten von Verlegewerkstoffen und anderen Bauprodukten über die Zuordnung zu den Emissionsklassen EC 1 Plus bis EC 3 (Reihenfolge entsprechend zunehmender Emissionshöhe). Praktische Bedeutung haben dabei nur die Klassen EC 1 Plus (sehr emissionsarm Plus) und EC 1 (sehr emissionsarm). Der EMICODE ist bei Verlegewerkstoffen das Umweltzeichen mit der größten Verbreitung.  Die Kennzeichnung erfolgt freiwillig durch die Hersteller nach externen Prüfungen und Lizenzvergabe durch die Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte (GEV).

 

Der EMICODE ist das einzige Gütesiegel für Verlegewerkstoffe mit einer unabhängigen Stichprobenüberprüfung.

 

www.emicode.com

3. Blauer Engel

Der Blauer Engel wird für unterschiedliche Produktkategorien nach jeweils angepassten Prüfkriterien vergeben. Verlegewerkstoffe werden nach RAL-UZ 113 geprüft. Nach externer Prüfung des Emissionsverhaltens sowie Erfüllung weiterer Auflagen zu Inhaltsstoffen und Gebinde- bzw. Datenblatt-Hinweisen wird die Blaue Engel-Lizenz durch das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) erteilt. Die Kennzeichnung mit dem Blauen Engel erfolgt freiwillig. Beim privaten Endverbraucher ist er das Umweltzeichen mit dem größten Bekanntheitsgrad.

www.blauer-engel.de

4. CE-Zeichen

Über die CE-Kennzeichnung bestätigt der Produkthersteller, dass sein Produkt die Vorgaben der zugrundeliegenden europäischen Norm oder Zulassungsbedingung erfüllt. Produkte, für die eine harmonisierte EN-Norm (oder ETAG) vorliegt, müssen CE-gekennzeichnet werden, und der Hersteller muss qualitätssichernde Maßnahmen nachweisen. Beispiele aus dem Bereich Verlegewerkstoffe sind Estrichmörtel und Fliesenkleber. Achtung: Die CE-Kennzeichnung macht keine Vorgaben zur Anwendung der Produkte. Diese liegt allein in der Verantwortung des Verlegers unter Berücksichtigung der jeweils relevanten Vorgaben.

5. Ü-Zeichen

Die Ü-Kennzeichnung belegt, dass das jeweilige Produkt die  bauaufsichtlichen Vorgaben des Deutschen Instituts für Bautechnik zum  Nachweis der Produkteigenschaften, nämlich eine allgemeine  bauaufsichtliche Zulassung oder ein allgemeines bauaufsichtliches  Prüfzeugnis, erfüllt. Abweichend zur CE-Kennzeichnung, regelt die  Bauaufsicht ausschließlich die Anwendung der Produkte, d. h. der  Verleger muss die Notwendigkeit zum Einsatz Ü-gekennzeichneter Produkte  erkennen. Eine generelle Pflicht zur Kennzeichnung einer bestimmten  Produktgruppe besteht nicht. 

6. Grüner Punkt/Interseroh

Durch den Grünen Punkt oder die Interseroh-Kennzeichnung weist der  Hersteller nach, dass er über eine Lizenzzahlung die Kosten für die  spätere Entsorgung der Verpackung übernimmt. Damit wird sichergestellt,  dass die Verpackung nach Gebrauch durch ein Vertragsunternehmen für den  Käufer kostenlos entsorgt wird. Alternativ zur Kennzeichnung mit dem  Verwertungssymbol können auch sogenannte registrierte Verpackungen  verwendet werden. Die Verpackungsverwertung ist Pflicht. Weist ein nicht  registriertes Produktgebinde kein Verwertungszeichen auf, muss der  Lieferant die Verpackung auf eigene Kosten zurücknehmen.

7. EAN-Code

Der als EAN-Code (Europäische Artikel-Nummer) bekannte Zahlencode  enthält das Herkunftsland, den Hersteller und die herstellerspezifische  Artikel-Nummer. Formal handelt es sich um die „Globale Lokationsnummer“,  die von GS1 Germany als Lizenzgeber zugeteilt wird. Dieser Code wird  meistens als Ziffernblock und als maschinell ablesbarer Strichcode auf  dem Gebinde abgebildet. Er dient vor allem der automatischen Abwicklung  des innerbetrieblichen Warenverkehrs beim Hersteller und auch bei dessen  Händlern. Für Verbraucher hat er keine praktische Bedeutung. Eine  Pflicht zur Kennzeichnung mit einem EAN-Code besteht nicht.

8. Umweltproduktdeklaration (EPD)

Die Umweltproduktdeklaration beschreibt den Ressourcenverbrauch und die  Emissionen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus. Darüber hinaus  werden über die Ökobilanz weitere Umweltfaktoren erfasst. Die EPD  liefert damit eine umfassende Bewertung zur Nachhaltigkeit von  Produkten. Der jeweilige Hersteller wird nach unabhängiger Prüfung vom  Institut für Bauen und Umwelt (IBU) mit der EPD für sein Produkt  ausgezeichnet. Auf der Basis von EPDs  kann dann die DGNB-Zertifizierung  als Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden erfolgen.

9. Steuerrad

Das Steuerrad ist das Eu-weit gültige Konformitätszeichen, das dem  jeweiligen Produkt die Eignung zur Schiffsausrüstung bestätigt.  Voraussetzung ist das Bestehen einer definierten Brandprüfung. Träger  des Steuerrads ist IMO, International Maritime Organisation, eine  Unterorganisation der UNO.

10. Gefahrstoffsymbole und -sätze

Die Inhaltsstoffe des jeweiligen Produkts führen zur Kennzeichnung mit  Gefährdungs- und Sicherheitshinweisen (R- und S-Sätze), sowie  zugehörigen Gefahrstoffsymbolen. Alle Vorgaben, wie die Inhalte und auch  die Mindestgrößen der Hinweise auf den Gebinden, sind gesetzlich  geregelt und dienen vor allem dem Schutz des jeweiligen Verwenders.

Die häufig erwähnten Zertifizierungen nach DGNB (Deutsche Gesellschaft  für nachhaltiges Bauen) bzw. LEED (Leadership in Energy and  Environmental Design) sind nicht berücksichtigt, da sie Gesamtgebäude  bewerten und nicht einzelne Produkte. Allerdings sind produktspezifische  Umweltproduktdeklaration (EPD´s) notwendige Voraussetzung, um  eine DGNB-Bewertung zu erhalten.

Dr. Arnold, Norbert: Gütesiegel und Kennzeichen von Verlegewerkstoffen. In: Fussboden Technik, 2011, Ausgabe 1,